Licht|Kunst|Raum - Installationen und Projektionen von Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher - Link zum Inhalt
Katarina Veldhues  /  Gottfried Schumacher
Licht|Kunst|Projektionen
Licht | Kunst | Projektionen - Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher

" ... du siehst beides zur gleichen Zeit,
(...) siehst die Stadt
und die anderen Schichten darüber,
das Gras und eine Stadt,
das Gras und wieder eine Stadt (...)."
(Anselm Kiefer über Jesaya,
gelesen im Hamburger Bahnhof, Berlin 2005).


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MANFRED SCHNECKENBURGER




Zu den Projektionen von Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher




"Unter den Künstlern, die mit Projektionen arbeiten, hebt sich das Paar Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher durch die ebenso neugierige wie systematische Erkundung seines Medium hervor. Entscheidend ist für sie der Projektionskörper, denn - was immer der Lichtstrahl transponiert -- das Bild entsteht unter den spezifischen Bedingungen des Trägers, der es auffängt. Dieser kann fixiert oder beweglich, dicht oder durchlässig, gebaut oder gewachsen sein. Je nachdem verändert das Bild seinen Charakter (...). Es verschmilzt mit dem Träger zu einer Einheit eigener Art, die in Größe, Struktur, Lichtkraft und Materialität eine nie da gewesene Überlagerung von Illusion und Realität erzeugt. Der künstlerische Transfer fällt so vielfältig aus wie das Umfeld." (1)

„Seit 1994 arbeiten sie zusammen. Mit ihren Projektionen nahmen sie an zahlreichen Ausstellungen und Projekten teil. Sie gehören zu den vielseitigsten und fundiertesten Projektions- KünstlerInnen mit internationalen Preisen und Stipendien.

Wichtigstes Medium ist das Licht – nicht das laute Licht der Grosstadt und der Reklame, sondern ein gleitendes Licht der Übergänge und allmählichen Transformationen: das Licht der Projektion. Auch in der Erzeugung von Dunkelheit vollzieht sich für das Paar ein künstlerischer Schritt. – Die beiden beginnen mit konstruktiven Abstraktionen aus reinem Licht, u.a. das „raster“ auf der Kölner Domfassade. Um 2000 kommen sie zur Projektion, die seitdem ihr eigentliches Medium bleibt.

Sie projizieren bevorzugt auf Orte und Gebäude von historischer, politischer, sozialer Bedeutung. Sie akzentuieren, fragmentieren, interpretieren diese Orte, indem sie z.B. Segmente von Organischem und Vergänglichem darauf werfen. Ihre Projektionen blenden nie gesehene Bedeutungen im Schnittpunkt von Vergangenheit und Zukunft auf: ein Spielraum zwischen flüchtiger Illusion und dinglicher Materialität. Sie weiten ihren Zugriff aber auch auf den translokalen Raum öffentlicher Nachrichten aus, verfremden Zeitungsfotos und unterlaufen mit Hilfe von Licht, Ausschnitt, Dimension die Routine abgenutzter Klischees. Veldhues und Schumacher benutzen durchweg Dias, keine Videos und geben
so auch der Dunkelheit im Rhythmus ihrer Abläufe Raum. „Wir erwarten von solchen Bildern, dass sie faktisch Ruhe ausströmen und dabei fieberhaft arbeiten.“ (K.V.).

Oft wird das Prinzip Projektion mit den verschiedensten Techniken kombiniert. Sogar Rückgriffe auf Vorläufer – wie die Camera obscura kommen vor. Veldhues und Schumacher vereinfachen den Zugriff, z.B. indem sie, analog zum Fotogramm, Gegenstände direkt auf den Bildträger befestigen. Für die weitreichende Kreuzrasterung der Kölner Domfassade reichte ihnen ein Stück Fliegengitter, das zwischen zwei Diagläser gespannt, von mehreren Projektoren übertragen wurde (...). 2009 projizierten sie auf eine mehrstrahlige Fontäne. Das Künstlerpaar bringt etwas Neues, Unerwartetes in die Saline. Während Blattwerk bei rotierendem Projektor ins Unendliche zersplittern oder sich festigen kann, lösen sich auf Wasser schon bei leichten Turbulenzen Konturen und Modellierung eines Gesichtes in weichen Übergängen auf. Eine Physiognomie, die eben noch plastisch über dem Wasser stand, zerstiebt, verweht und vergeht im Wind: eine phantomartige Erscheinung über dem Teich in ständiger Fluktuation, die viele Stadien zwischen Entmaterialisierung und Präsenz (...) durchlebt. Jeder Lufthauch kann Ebenmaß, Mimik oder Begrenzung wie Zusammenhalt der Züge verwirren. Bei Windstille erweisen
sich indes dünnste Wasserschichten als erstaunlich tragfähig für Projektionen.

Unter den Projektionskünstlern präzisieren und differenzieren sie ihr Medium besonders sorgfältig. Im Zentrum steht die neue Einheit aus projiziertem Bild und dem Projektionskörper“ (2)



1 (Manfred Schneckenburger, zu: Katarina Veldhues und Gottfried Schumacher: "Passage", in: RUHRLIGHTS / TWILIGTHS ZONE, Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010, Hrsg: Söke Dinkla u.a., Hatje Cantz Verlag, 2010, Seite 128 - 131).

2 (zitiert aus: lichtSicht, 1. + 2. PROJEKTIONS - BIENNALE 2007 / 2008 sowie 2009 / 2010. Künstlerischer Leiter: Manfred Schneckenburger, Organisator: Paul Anczykowski, Hrsg.: Heinrich W. Risken Stiftung, DruckVerlag Kettler, Bönen 2010).



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